Kindererziehung und Erziehungsstile


Kinder

Unter der Bezeichnung "Erziehungsstil" versteht man die Art, wie sich Eltern, Erzieher oder auch Lehrer dem Kind gegenüber in verschiedenen Situationen verhalten.

Der Erziehungsstil unterscheidet sich von Person zu Person grundlegend, da jeder Mensch andere Wertvorstellungen hat, die dieser an das Kind weitergibt. Beispielsweise ist es für den Einen wichtig, dass das Kind sich einbringt und auch seine Meinung sagt. Andere wiederum möchten, dass der Nachwuchs gehorcht und sich grundsätzlich anpasst.

In der Erziehung spricht man von unterschiedlichen Erziehungsstilen, die sich nach ihrem Hintergrund, den Grundlagen und Methoden voneinander unterscheiden. Nach dem zwischen 1890 und 1947 gelebten Sozialpsychologen Kurt Lewin spricht man von drei Hauptstilen, die sich in "autoritär", "demokratisch und "laissez-faire" unterteilen. Diese wurden von dem Soziologen und Psychologen Glen Elder innerhalb dieser Kategorien noch um vier erweitert (autokratischer, egalitärer, permissiver und negierender Erziehungsstil). Bei diesen handelt es sich allerdings eher um Unterkategorien der drei Hauptstile.

Hierbei ist jedoch zu beachten, dass diese Stile fast nie in Reinform im Erziehungsalltag vorkommen. Eltern und Erzieher verhalten sich gegenüber dem Kind manchmal zu autoritär und manchmal zu nachgiebig. Von grundlegender Bedeutung ist jedoch eine Haltung, die dem Kind Liebe, Wertschätzung und Akzeptanz als Person entgegenbringt.

In den folgenden Abschnitten möchte ich die drei Haupterziehungstile nach Kurt Lewin vorstellen.

Erziehungsstile

Autoritärer Erziehungsstil

Bis Ende der 1960er Jahre waren Gehorsam, Fleiß, Pünktlichkeit und Disziplin wichtige Erziehungsziele. Eltern und Erzieher galten damals als die uneingeschränkte Autorität, der sich die Kinder bedingungslos unterzuordnen hatten.

Bei diesem Erziehungsstil erhalten Kinder unzählige Anweisungen, denen sie widerspruchslos folgen müssen. Die Erwachsenen verhalten sich hierbei stark kontrollierend und lenkend. Gängige Erziehungsmaßnahmen sind Lob, Tadel und Strafe. Auf unerwünschte Verhaltensweisen des Kindes folgt in der Regel eine Sanktion, früher war hierbei die köperliche Züchtigung durchaus üblich.

Eine erwünschte Verhaltensweise hingegen wird beim Kind höher geschätzt als das einsichtige Handeln. Für die Verfechter des autoritären Erziehungsstils ist es selbstverständlich, dass die Wünsche und Bedürfnisse des Kindes denen Erwachsener untergeordnet sind. Zahlreiche Studien belegen allerdings, dass autoritär erzogene Menschen über ein schwächeres Selbstwertgefühl verfügen, eher zu Aggressionen neigen und eine geringere Sozialkompetenz aufweisen.

Der autoritäre Erziehungsstil wird in seiner extremen Form als autokratischer und in seiner gemäßigten als autoritativer Stil bezeichnet.

Hierbei möchte ich noch einmal kurz auf letzteren eingehen: Beim autoritativen Erziehungsstil wird zwar auch eine starke Lenkung ausgeübt, jedoch mit einer hohen Akzeptanz des Kindes. Geprägt wird dieser Stil durch einerseits hohe Erwartungen an den Nachwuchs mit klaren Regeln, die einzuhalten sind. Auf der anderen Seite herrscht hier allerdings eine offene Kommunikation, bei der die Meinung des Kindes geachtet wird. Trotzdem trifft die letzte Entscheidung der Erzieher. Diesem Erziehungsstil können durchaus positive Aspekte abgewonnen werden. Die Kinder genießen ein großes Maß an Sicherheit. Zudem wird ihnen die Entwicklung einer hohen intellektuellen und sozialen Kompetenz ermöglicht.

Demokratischer Erziehungsstil

Beim demokratischen bzw. liberalen Erziehungsstil steht das Miteinander von Eltern, Erziehern und Kindern im Vordergrund. Die Erwachsenen schätzen die Bedürfnisse und Wünsche des Kindes und nehmen diese ernst. Das bedeutet allerdings nicht, dass alle Wünsche erfüllt werden. Grundlegende Entscheidungen werden gemeinsam besprochen und diskutiert. Hierbei werden Selbständigkeit, Eigeninitiative und Verantwortungsbewusstsein bewusst gefördert. Des Weiteren zeigen die Erwachsenen dem Kind Alternativen zu bestimmten Sachverhalten auf.

Ein ausgeglichenes Verhältnis von Freiheit und Bestimmtheit ermöglicht dem Nachwuchs eine gute Orientierung. Durch Wärme, eine hohe Akzeptanz und Einfühlungsvermögen gedeiht eine vertrauensvolle Beziehung zwischen Eltern/Erzieher und Kind. Der demokratische Erziehungsstil basiert auf gegenseitiger Wertschätzung. Auch setzt er auf ein durch Einsicht geprägtes Handeln.

Erfahrungen zufolge entwickeln demokratisch erzogene Menschen in der Regel ein gesundes Selbstvertrauen, eine emotionale Stabilität sowie eine gute Sozialkompetenz. Sie zeigen eine tendenziell hohe Lernbereitschaft und lernen, ihr eigenes Handeln zu reflektieren. Nach einer Shell-Studie aus dem Jahr 2006 hat sich von allen Erziehungsstilen der vorwiegend demokratische als der beste für die kindliche Entwicklung herausgestellt. Als weniger förderlich schnitten der autoritäre und der Laissez-Faire-Stil ab.

Laissez-Faire-Stil

Der Laissez-Faire-Erziehungsstil gilt als der Gegenpol zur autoritären Erziehung. Hierbei verhalten sich die Eltern/Erzieher dem Kind gegenüber eher passiv. Vorgaben werden in nur sehr geringem Maße gemacht, so dass der Nachwuchs im Großen und Ganzen sich selbst überlassen ist. Es gibt keine klare Richtlinie, die Sicherheit und auch Orientierung geben könnte.

Es bestehen so gut wie keine Ansprüche an das Kind. Bei Diskussionen und Auseinandersetzungen findet die Ansicht des Kindes kaum Beachtung. Bei diesem Erziehungsstil verhalten sich die Eltern eher desinteressiert und gleichgültig. Sie tun nur das Nötigste, im Extremfall vernächlässigen sie ihren Nachwuchs sogar.

Menschen, die laissez-faire erzogen wurden, haben als Erwachsene oftmals erhebliche Probleme beim Aufbauen und Halten von Beziehungen. Der Grund ist, dass sie in sehr jungen Jahren keine Möglichkeit hatten, eine positive emotionale Beziehung kennen zu lernen. Auch in der Schule oder im späteren Berufsleben tun sich mit dem Erbringen der geforderten Leistungen eher schwer. Zudem haben sie häufig Probleme, sich anzupassen und ein bestimmtes Engagement zu zeigen.

Nachdem sich die letzten Abschnitte mit den drei wichtigsten Erziehungsstilen befasst haben, wird in den folgenden die Rolle von Geschwistern in der Erziehung behandelt. Auch werden hier Tipps gegeben, was Eltern tun können, dass sich keines der Kinder gegenüber dem/den anderen zurückgesetzt fühlt.

Geschwister erziehen - Auswirkungen der Geschwisterposition auf die Bedürfnisse des Kindes

Ständige Streitereien zwischen den eigenen Kindern können Eltern an den Rand der Verzweiflung treiben. Dabei sind Reibereien bis zu einem gewissen Grad vollkommen normal, wie Sie auch unter www.bambiona.de/thema/kindererziehung nachlesen können. Wer mehr als ein Kind hat, kennt auch die leidige Diskussion über Gerechtigkeit. Was aber ist gerecht? Soll man alle Kinder vollkommen gleich behandeln? Dürfen die Erziehungsmethoden bei den einzelnen Kindern variieren? Natürlich muss eine Grundgerechtigkeit vorhanden sein. Dabei darf man jedoch nicht aus den Augen verlieren, dass jedes Kind ein Individuum ist und entsprechend auch individuell behandelt werden möchte. Oft ergeben sich Probleme aus der jeweiligen Geschwisterposition: Die Reihenfolge der Geburt kann einen Menschen ein Leben lang prägen.

Der Erstgeborene

Erstgeborene Kinder haben zu Beginn die ungeteilte Aufmerksamkeit der Eltern. Kommt das Geschwisterchen, ist der Schock oft groß. Schnell verunsichern die "Großen", fragen sich, ob Mama und Papa sie nun weniger lieb haben. Nicht selten versuchen diese Kinder, mit übertriebenem Aktionismus die Aufmerksamkeit zurück zu erlangen. Sie machen alles, um es den Eltern recht zu machen, verlieren dabei aber manchmal das "Kind sein" aus den Augen. Wichtig ist, dass das Kind weiterhin Zeit mit Ihnen alleine verbringen darf. Eltern sollten ihm nicht zu viele Pflichten aufbürden, kleine Privilegien gegenüber dem jüngeren Kind wirken manchmal wahre Wunder.

Das Sandwichkind

Sandwichkinder haben es oft nicht leicht. Während der Erstgeborene besondere Privilegien genießt, erhält das Nesthäkchen meist viel Aufmerksamkeit und wird verwöhnt. Mittelgeborene Kinder haben demnach das Gefühl, um die Beachtung der Eltern kämpfen zu müssen. Diese sollten hier das Selbstbewusstsein des mittleren Kindes bewusst stärken. Hierbei sollten sie ihm immer wieder deutlich machen, dass es ein toller Mensch mit ganz besonderen Stärken ist.

Das Nesthäkchen

Die Kleinsten werden oftmals länger behütet und mehr verwöhnt, als die älteren Geschwister. Das führt zu Neid, nicht selten machen die Großen den Kleinsten das Leben schwer. Wichtig ist, darauf zu achten, auch das jüngste Kind groß werden zu lassen, damit es die Rolle des "Babys" nicht ewig innehat.


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